Litauen entdecken

Als wir mit Ryan Air in Vilnius landeten, wartete schon die Sonne auf uns. Und sie begleitete uns die ganze Woche über. Am Flughafen (klein aber fein) übernehmen wir unseren Mietwagen und setzten unsere Reise fort.

  

Ursprünglich hatten wir geplant, in Vilnius zu bleiben, da wir sehr früh in Bremen gestartet waren. Wir fühlten uns aber noch ganz fit und haben deswegen gleich Kaunas mit einem Abstecher nach Trakai angesteuert. Als wir vom Flughafen in Vilnius losfuhren, kamen wir direkt an einem Ikea Shop vorbei. Das bot sich an, um einen schnellen Lunch zu uns zu nehmen. Wir waren überrascht von dem recht umfangreichen Salatbuffet, das wir so aus Hamburg nicht kennen. Trakai ist ein kleiner Ort in der Nähe von Vilnius mit einer Wasserburg. Der Ort ist wunderschön an einem See gelegen, mit vielen guten Ausflugslokalen. Über eine Brücke gelangt man auf die Burg. Die Gewässer haben Ähnlichkeit mit den Gewässern der Müritz. 

Spät am Nachmittag erreichten wir Kaunas. Damit hatten wir den ersten Teil der Etappe zur Nehrung schon geschafft. Wir fanden unser Hotel von Best Western direkt neben der Altstadt. Die Stadt hat etwa 300.000 Einwohner und ist die zweitgrösste Stadt Litauens. Während unserem Rundgang durch die Altstadt kamen wir zu einer Kirche, in der wir ein Konzert hören konnten.

Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Palanga. Palanga befindet sich etwas nördlich von Klaipeda und ist DAS Seebad Litauens. Es gibt eine wunderbaren breiten und sauberen Strand, herrliche Kiefernwälder, gute Hotels und Restaurants. Die Seebrücke ist ein beliebter Anlaufpunkt für abendliche Spaziergänger, der Sonnenuntergang war spektakulär.

Vor dem letzten Gang zur Seebrücke hatten wir auf Google-Maps den Eintrag eines Restaurants gesehen. Das Lokal nannte sich Zuvine und wir waren gespannt, was uns erwartete. Volltreffer!! Es war in einem alten Gebäude neu eingerichtet worden. Durch die Vorsaison war das Lokal fast leer und die Bedienung war für uns da. Allein die Vorspeise war der Hammer, ich habe geräucherten Aal mit einem knackigen Bier dazu genossen. 

Für die Übernachtung hatten wir direkt vor Ort im Viesbutis Hotel ein Zimmer bekommen. Es war wohl das beste Haus am Platz und durch die Vorsaison fast leer. Nach dem ausgezeichneten Abendessen im Zuvine haben wir im Hotel noch einen Absacker genommen. Am nächsten Morgen gab es ein sehr gutes Frühstück. Später haben wir gelesen, dass der derzeit amtierende deutsche Aussenminister Heiko Maas in der selben Woche in diesem Hotel den Präsidenten von Litauen getroffen hat. Gott sei Dank nicht als wir da waren. Wer weiss, ob man uns dann ein Zimmer gegeben hätte. 

Da wir nur 1 Woche zur Verfügung hatten, entschlossen wir uns gleich nach dem Frühstück weiterzufahren. Das Ziel war jetzt endlich die Kurische Nehrung. Dieses Gebiet steht seit 2000 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Von Palanga ist es eine kurze Fahrt bis zur Fähre in Klaipeda. Wir konnten die Tickets (zwischen 5 - 20 Euro, je nach Saison) direkt an der Kasse kaufen und waren eines von wenigen anderen Autos die nach Smilty auf die Nehrung übersetzen wollten. Von dort fuhren wir erst einmal an das nördliche Ende, vorbei an einer modernen Marina und einem Open-Air-Fischerei-Museum mit alten Original-Fischereifahrzeugen. Danach ging es zu DEM Ziel-Ort: Nidden, oder Nida in der Landesprache. Dort fanden wir auf Anhieb das idyllisch gelegene Haus, wo Thomas Mann viele Sommer verbracht hatte. Die Atmosphäre ist kaum zu beschreiben, dank der Vorsaison waren wir fast allein und konnten das Haus und die Umgebung am Meer in aller Ruhe in uns aufnehmen. In Ruhe haben wir das Haus erforscht und im 1. Stock sein Arbeitszimmer besichtigt. Das Haus war nach dem 2. Weltkrieg zerstört. Man hat es später aber original-getreu an gleicher Stelle wieder aufgebaut. Daher ist auch der Stuhl ist als Nachbau vorhanden, der Schreibtisch und das Bücherregal wurden als Drahtgeflecht nachgeformt. Insofern ist der Geist der Geschichte spür- und erfahrbar.

Nach dieser intensiven Kulturbegegnung haben wir überlegt, was wir machen. Gehen wir für die Nacht wieder zurück nach Klaipeda, um von dort aus am nächsten Morgen weiter fahren nach Riga? Oder bleiben wir hier? Letztendlich hat uns der Zauber dies Ortes aber nicht losgelassen und so sind wir zum Mittagessen durch den Ort gegangen und haben ein Fisch-Bistro mit frischen Räucherfisch gefunden. Wir haben uns eine riesige aufgeklappte Makrele geteilt. Dazu sassen wir draussen unter dem Sonnenschirm und konnten direkt auf das Binnenmeer der Nehrung und den Yachthafen von Nidden sehen. Einfach unglaublich! Dieser Ort ist ein bisschen wie ein lebendes Museum, und entspricht der Vorstellung, die man von dieser Gegend hier hat.

Während des Essens haben wir immer weiter in booking.com nach einem Zimmer hier im Ort gesucht, konnten uns aber nicht entscheiden. So gingen wir weiter durch den Ort und landeten schliesslich am Ende der Strasse vor einem Anwesen mit Restaurant, Hotel und Biergarten. Beim ersten Anlauf sind wir gescheitert. Ausgebucht. Dann haben wir noch einmal bei booking.com nachgesehen. Es waren noch ein Zimmer verfügbar. Sabine wieder hin und siehe da, wir bekamen ein Appartement im 1. Stock. Also blieben wir für die Nacht hier in Nidden. Und das war goldrichtig. Ein gutes Abendessen mit Rote-Beete-Suppe. Ich habe mich in diese Suppe hier in Litauen regelrecht verliebt. Sie wird kalt serviert, ist erfrischend und sehr schmackhaft. 

Und danach ein Spaziergang mit Sonnenuntergang über der Nehrung. Das Licht und die Ruhe des Binnenmeeres der Nehrung haben einen ganz unvergleichliche Aura. Wir fühlten uns wie auf einem anderen Planeten. Ich kann den Thomas Mann gut verstehen, dass er sich dieses Fleckchen Erde zur Erholung gesucht hat. Damit bekam dieser Ort unseren 

Ein bekanntes Naturwunder von der kurischen Nehrung ist die Sanddüne, die in etwa bei Nidden beginnt und sich mit Unterbrechungen bis zum südlichen Übergang der Nehrung nach Kaliningrad durchzieht. Die Grenze nach Russland verläuft etwa 5 km südlich von Nidden quer über die Nehrung. Es scheint ein reger kleiner Grenzverkehr zu herrschen, man sieht häufig Autos mit russischen Kennzeichen Ausflüge machen, man lebt ganz gut miteinander. Im Sommer wird hier mit Sicherheit dichtes Gedränge herrschen. Ich will das jetzt nicht werten, aber im Unterschied zu Sylt kann man auf der Düne wandern. Dabei ist die Nehrung in etwa genauso breit wie Sylt.

Am nächsten Morgen nahmen wir also Abschied von diesem inspirierenden Ort und machten uns auf den Weg nach Riga. Auf dem Weg dorthin wollten wir Station am Berg der Kreuze machen. Dies ist ein katholischer Wallfahrtsort, der sehr touristisch geprägt ist. Er befindet sich etwa 12 km entfernt von Siauliai. Es sieht schon bizirr aus, wenn man durch das relativ flache Land fährt und sich plötzlich der Berg oder besser dieser Hügel wie eine Erscheinung in den Himmel erhebt.

Danach passierten wir die Grenze nach Lettland, wobei man den Übergang kaum mitbekommt. Die nächste Station war das Schloss Rundale. Es befindet sich in der Mitte von nirgendwo. Und man würde es hier wohl auch nicht erwarten. Die ganze Anlage mit einem grossen Park wirkt etwas deplatziert und zeugt von alten, längst vergangenen Junker-Zeiten. Trotzdem war alles sehr gepflegt, offensichtlich besteht grosses Interesse daran, den kulturellen/touristischen Wert auszuschöpfen.

Jetzt war der Weg nicht mehr weit nach Riga. Wir hatten bereits während der Fahrt ein Zimmer im Tallink-Hotel gebucht. Das Hotel war so gelegen, dass wir die Altstadt von Riga zu Fuss erreichen konnten. Das Hotel gehört zur gleichnamigen Fährschiff-Linie. Mir war es zu rummelig, der Standard der Zimmer ist ok. Die Zufahrt zur Hotelgarage war etwas abenteuerlich. Man muss das Auto in einen Fahrstuhl manövrieren, der einen in die Tiefgarage absenkt. Die Garage war sehr eng, vorteilhaft für jeden, der die Grösse seines Autos kennt. Wir waren vor 15 Jahren schon einmal hier, hatten damals allerdings auf der anderen Seite des Flusses im Radisson Hotel übernachtet. Als wir uns nach dem Einchecken auf den Weg in die Altstadt machten, kam es uns aber wieder vertraut vor.

Am nächsten Tag haben wir Riga neu erkundet und beinahe alle Kirchen und den Dom usw angesehen. Das Steingesicht auf der Sitzbank hat etwas mit der Riga-Geschichte zu tun. Eine Rundfahrt mit einer kleinen nagelneuen Bimmelbahn durch die Altstadt war auch dabei. Nachmittags haben wir eine Fleetfahrt auf einer hübschen kleinen Barkasse gemacht. Aus dieser Perspektive hatten wir die Stadt damals bei unserem ersten Besuch noch nicht gesehen. Danach gab es eine kleine Pause für unsere Füsse, zum Abendessen haben wir uns wieder aufgerafft und zurück in den abendlichen Altstadt-Trubel in das Restaurant vom Vorabend gegangen. Hier konnten wir draussen sitzen und das ganze Leben um uns herum beobachten und Pläne für die Weiterreise am nächsten Tag schmieden. 

Das Ziel war die Stadt, die wir bei unserer Ankunft noch ausgelassen hatten. Und das war auch gut so, da wir jetzt noch fast 2 Tage Zeit hatten, Vilnius zu erkunden. Somit fuhren wir von Riga direkt durch bis Vilnius. Auf dem Weg dorthin haben wir zu Mittag wieder an einem kleinen Rasthof an der Strasse Pause gemacht. Wir haben mit diesen kleinen Restaurants an der Autobahn oder der Landstrasse beste Erfahrungen gemacht. Das Essen dort ist sehr gut und sehr günstig. Und so erreichten wir am Nachmittag Vilnius. Schon bei der Einfahrt über die Stadtautobahn am Freitag nachmittag war starker Wochenendverkehr durch die Leuten aus den Büro-Vierteln. Hier hat sich eine richtig grosse Downtown entwickelt mit vielen namhaften grossen Unternehmen. Unser direkter Eindruck: extrem geschäftig, moderne Industrie, gierig nach Wachstum. Dann fuhren wir ab von der Autobahn und langsam wechselte das Erscheinungsbild. Es wurde historischer. Und eine Kirche nach der anderen erschien im Blickfeld. Jetzt fuhren wir direkt in die Altstadt zur Suche nach unserer Unterkunft. Es wurde immer hübscher als wir an den historischen Fassaden vorbei rollten. Es war, als wenn wir durch ein historisches Museum fuhren. Und ganz am Ende entdeckten wir die Einfahrt: dieses Mal hatten wir uns für ein Kloster-Hotel direkt in der Altstadt entschieden zu einem recht guten Preis. Das Auto konnten wir fast mit ins Zimmer nehmen. Der Vorteil, wir brauchten nur aus dem Tor des Kloster-Hotels herauszugehen und waren sofort in der Altstadt. Hier war reges Treiben zwischen all den Hotels, Kirchen, Kapellen, Restaurants, Geschäften, den breiten Gehwegen und dazu der wolkenlose blaue Himmel.    

Es gibt hier in Vilnius einen Stadtteil Uzupis, der eine bizarre Vergangenheit hat. Aktuell behauptet er, eine eigene Verfassung zu haben, bei Staatsbesuchen wird er mit einbezogen. Er war wohl mal ein etwas vernachlässigter Stadtteil, nicht sonderlich beliebt und deshalb für Studenten erschwinglich zu bewohnen. Im Laufe der Zeit hat er dann einen Aufschwung erlebt und wird heute gerne als alternatives Stadtviertel dargestellt. Es werden mehrere Führungen angeboten, die offiziell kostenlos sind, über Spenden zur Pflege der Website freut man sich trotzdem. Die Führung mit der jungen Studentin hat viel Spass gemacht. Es wird immer ein Gruppenfoto gemacht, dass man hinterher per Email bekommen kann. 

Die historische Altstadt wird permanent verschönert, es gibt eine rege und gepflegte Hotel- und Restaurant-Szene für vielfältige Ansprüche. Wir haben es genossen, abends vor einem Hotel zu sitzen und dem Treiben zuzusehen. Gefühlt waren alle Nationalitäten vertreten. Wenn man die Altstadt verlässt kommt man auf eine grossen Platz, der wohl früher für Paraden genutzt wurde. Danach beginnt das Einkaufsviertel mit einer breiten Fussgängerzone. An diesem Samstag fand dort eine Strassenfest statt mit vielen Attraktionen und Lebensmitteln der unterschiedlichsten Nationalitäten.

Auf der Strassenkarte hatten wir ein weiteres Ziel entdeckt, das wir unbedingt besuchen wollten. Die baltischen Staaten haben ja eine sehr wechselvolle Geschichte, zu der auch die russische Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg gehört. Aus der Zeit hat man ein Gebäude übernommen und als Museum weiter geführt. Es handelt sich um das ehemalige Gefängnis des KGB in Vilnius (Museum der Opfer des Genozids). Das Museum war bis 1940 - 1941 ein russisches Gefängnis, wurde von 1941 bis 1944 von der Gestapo übernommen und ab 1944 bis zur Unabhängigkeit 1990 wieder von Russland genutzt. Wir kamen relativ spät dort an, ich konnte mich einer Führung für amerikanische Touristen anschliessen. Diese kleinen Staaten haben oder konnten keine grossen organisierte Armee betreiben. Es ist beeindruckend, mit welcher Energie und Geschick man den Partisanenkrieg organisiert und betrieben hat. Und die Partisanen und ihr Führer wurden im Falle der Gefangennahme nicht zimperlich behandelt. Ich habe den Eindruck, dass diese Partisanen-Gruppen bis heute als Helden verehrt werden.    

Nach dem Besuch dieser Gedenkstätte sind wir den ganzen Wege durch das Strassenfest, über den Paradeplatz zurück in die Altstadt und haben uns ein Aussen-Plätzchen des Radisson Blu Royal Astorija Hotel gesucht. Hier konnten man sehr schön dem Treiben zusehen. Bei einem leichten Imbiss und begleitenden Getränken haben wir diese schöne Reise durch Litauen ausklingen lassen. Wir haben ein gastfreundliches Land mit vielfältiger Natur und selbstbewussten Leuten kennengelernt. Man sollte klar sagen, was man möchte und nicht scheuen auch mal nachzuhaken. Es ist nicht böse gemeint. Wir denken, das ist der wechselvollen Geschichte dieser kleinen Nation geschuldet. Wir kommen wieder und kennen schon unsere Favoriten. 

 

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