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Mongolei - Unter Nomaden

Wir haben ihn getroffen: er steht etwa 50 km südlich der Hauptstadt, besteht aus purem Edelstahl (250 t) und soll etwa 4,1 Millionen USD gekostet haben. Ganz richtig, es geht um Dschingis Khan, die Figur, die wohl meistens in einem Atemzug mit der Mongolei genannt wird. Wie kamen wir auf die Mongolei? Irgendwann tauchte die Idee auf, nachdem wir uns zuvor bis nach Georgien vorgetastet hatten. Erst später als die Flüge gebucht waren, haben wir realisiert, daß wir uns nun neben einem nördlichen Streifen von China befinden, das an Nordkorea grenzt. Irgendwo auf der Länge von Hongkong. Für den Flug haben wir uns auf die nationale Fluglinie konzentriert, um auch hier die Landesart zu erhalten. Es gibt die MIAT und die Preise sind ok. Dazu mussten wir nach Frankfurt anreisen und haben das Auto in einem Hotel in der Nähe des Flughafens für die Dauer der Reise geparkt. Es gibt dort sogenannte "Drive-Park-Fly-Angebote". An einem Samstagmittag um 14.30 Uhr ging es los auf einen 8-Stündigen Flug. Die Maschine war nicht mehr ganz neu, die Sitze und der Abstand aber recht bequem, das Essen auch gut.

 

Am nächsten Tag landeten wir gegen 5.00 Uhr in Ulan Bator. Am Flughafen tauschten wir Geld für die Taxifahrt. Wie kamen wir jetzt zum Hotel? Wir hatten lange vor der Abreise das Hotel Best Western Tuushin gebucht, damit wir nach der Ankunft eine Unterkunft hatten. Die Wahl fiel auf dieses Hotel, da es sich direkt in der Nähe des zentralen Platzes vor dem Regierungsgebäude befand. Im Flughafengebäude sprach uns ein Mann auf Englisch an. Mit seinem Auto brachte er uns ins Hotel. Er lebte ganz offensichtlich von diesen Touren und hat uns bereits etwas über die Mongolei erzählt. Um 07.00 tauchten wir an der Hotelrezeption auf und rechneten damit, dass wir noch nicht einchecken konnten. Man war aber darauf eingestellt und hat uns lediglich eine kleine Early-Check-In-Gebühr berechnet. Unser Zimmer befand sich im 9. Stock, so hatten wir einen sehr guten Blick auf den Sukhbaatar Square. 

Nun meldete sich aber erst einmal der Hunger und wir genossen das Frühstücksbuffet. Danach legten wir uns schlafen und waren dann am frühen Nachmittag wieder fit. Aus dem Fenster konnten wir den Platz mit einigen vorfestlichen Aktivitäten sehen. Wir waren neugierig und haben uns auf den Weg gemacht. 

Das Wetter war freundlich mit uns an diesem Nachmittag und wir konnten erste Witterung mit dem Geschehen aufnehmen. Es handelte es sich wohl um eine Folklore-Veranstaltung, die im Vorlauf des Naadam-Festes stattfand. Aus verschiedenen Landesteilen waren Menschen zusammengekommen, um ihre traditionelle Kleidung und Musik darzubieten. Jede Jurte hatte ein Schild mit dem Land, der Region oder dem Thema und bot etwas anderes an. Wir sahen Namen von Regionen, von denen wir vorher kaum etwas gehört hatten. Eine grosse Bühne war aufgebaut, auf der Tanzgruppen zu alten Liedern (modern interpretiert) übten. Auch das mongolische Fernsehen war da und hat Besucher interviewt. Das inspirierte uns zu unserem ersten YouTube-Post. Das haben wir dann jeden Tag fortgesetzt.

Während eines dieser Interviews hörten wir einen jungen Mann, deutsch sprechen. Wir kamen mit ihm, seiner Mutter sowie einer deutschsprechenden Mongolin ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die beiden mit der Transsib von Peking gekommen waren auf der Weiterreise nach Sankt Petersburg waren. Sie machten hier in Ulan Bator Station, die Mongolin war ihr Guide und ihre Gastgeberin für die Nacht in einer Jurte. Sie vermietete Jurten und führte ein kleines Restaurant. Spontan verabredeten wir uns zum Abendessen in ihrem Gasthaus um 19.30 Uhr. Sie gab uns ihre Karte und bereits um 19.00 holte uns ein Taxi ab, das das Hotel für uns bestellt hatte. Der Concierge gab dem Taxi-Fahrer die Karte und erklärte ihm, daß er auf jeden Fall die Mongolin anrufen sollte. Das war auch nötig. Die Fahrt dauerte etwa 30 Minuten und die Gegend wurde immer ländlicher. Zum Schluss hat er sie anrufen müssen und den Rest des 'Weges ging es mit dem kleinen Auto steil und holperig bergauf. Und dann standen wir vor ihr.

Auf dem Grundstück waren mehrere Jurten und das kleine Restaurant. Es gab gut zu essen, es wurde viel gelacht und auch gesungen. Der Hausherr brachte uns um 24.00 selbst ins Hotel zurück. Ein sehr schöner erster Abend und Einstieg in Land und Leute.

Als wir die Reise zuhause vorbereiteten, standen wir immer wieder vor der Frage, wie wir uns im Land bewegen wollten. Wir waren es ja gewohnt, die Ausflüge in eigener Regie zu organisieren und durchzuführen. Wir suchten nach Hotels und in GER Camps nach Unterkünften. aber alle unsere Anfragen per Email liefen ins Leere. Also haben uns dieses Mal dafür entschieden, an einer geführten Tour teilzunehmen und wurden im Internet fündig. Nach einigem "Hin und Her" einigten wir uns mit einem Veranstalter auf eine Tour, die zu unserem Zeitplan passte. Die Flüge hatten wir ja schon gebucht. Nun ging es ans Bezahlen. Den Vorschuss konnten wir noch mit Kreditkarte bezahlen. Für den Hauptbetrag musste ich dann direkt zur Bankfiliale. Online-Banking in die Mongolei: Fehlanzeige. Die Bankangestellte hat dann einen Auslandsauftrag von Hand ausgefüllt. Der ganze Spaß hat etwa 120 Euro gekostet. Kurze Zeit später hat Amicus dann den Eingang bestätigt und uns die endgültigen Reiseunterlagen per Email geschickt. Alles war sehr detailliert und klar aufgelistet und am Schluss die Teilnehmerliste der Tour. Wir waren nunmehr 8 Personen und 1 Guide. Die Herkunftsländer USA und Südkorea. Wir waren gespannt! In den Unterlagen wurde empfohlen und angeboten die Daten-SIM-Karte vorab zu bestellen. Haben wir gemacht, aber dazu später.

Nun standen wir also nach dem schönen Abend am nächsten Morgen im Hotel und hatten bis zu Abholung durch Amicus noch Zeit bis 13.00. 

Wir spazierten also vom Hotel in Richtung Geschäftszentrum und fanden in einer relativ neuen Mall ein schönes Café mit guter Aussicht. Nach der Kaffee-Pause ging es zurück zum Square und nun waren alle Jurten verschwunden und dafür aber viele Menschen vor der Treppe zum Regierungspallast. Irgendetwas ging hier vor sich und einige andere Passanten konnten uns bruchstückhaft etwas von einer Siegerehrung erklären. 

Zurück im Hotel war der Fahrer kurz nach 13.00 da, holte uns mit unserem Gepäck ab und brachte uns dann in das Tour-Hotel. Es befand sich in einem anderen Stadtteil, viele Hochhäuser durchmischt mit Gewerbe und kleinen Geschäften. Wir mussten Amicus noch einen kleinen Restbetrag von 75 USD bezahlen, die der Fahrer kassieren sollte. Wir hatten zwar schon mongolische Währung, die wollte er aber nicht. Also mussten wir in Dollar tauschen. Es dauerte eine Weile, bis wir in einer Bank gegenüber dem Hotel endlich tauschen konnten. In den Banken hier wird anscheinend deutlich mehr persönlich abgewickelt, als bei uns. Wir mussten eine Nummer ziehen und etwa eine halbe Stunde warten. Als man hörte das wir englisch sprachen, hat man uns aber sofort in ein separates Büro gebeten und dort den Umtausch abgewickelt. Es ging dann von Euro über mongolische Tugrik in USD. Anschließend zurück in das 4-Sterne Hotel Grand Hill aufs Zimmer und etwas erholt. Dieses Hotel war für die nächsten 3 Nächte unsere Basis.

  

Start mit Kultur & Geschichte

Am nächsten Morgen ging es früh zum Frühstück, da ja um 09.00 Uhr Treffpunkt mit der Gruppe und dem Guide anstand. Der Frühstücksraum war recht hektisch und laut. Als wir beim Frühstück saßen, rätselten wir über den Ursprung unserer Gruppe. Waren es nun ältere oder jüngere Leute, kamen sie alle aus den USA oder Korea? Gegenüber sahen wir eine Gruppe an einem Tisch sitzen, zwei bärtige Herren (wahrscheinlich Amerikaner) mit zwei asiatischen Frauen. Irgendwie hatte ich eine Ahnung.

Eine halbe Stunde später stand ich in der Lobby, Sabine saß auf einem Sofa. Irgendwann stand ein Herr wie bestellt und fertig zum Abmarsch. Ich ging hin, stellte mich vor und tatsächlich, er wartete auch auf Amicus und stellte sich als Larry vor. Und dann erschienen Rich und Tim von der Gruppe aus dem Frühstücksraum, die wir bereits beobachtet hatten. Alle 3 waren Amerikaner, die in Südkorea geheiratet hatten und dort leben. Und, um es vorweg zu sagen, eine tolle Gruppe, mit der wir uns sehr gut verstanden haben. 

Dann stieß ein junger Mann zu uns und stellte sich als unser Guide Jusuf vor. Auch er ein Volltreffer, sehr kompetent, nie um eine Antwort verlegen und bestens mit Kultur, Religion und Geschichte des Landes vertraut. An diesem ersten Tag standen der Besuch des Sukhbaatar Square sowie eines Klosters und verschiedener Museen auf dem Programm. 

Das Gandan Kloster ist die bedeutendste Stätte des lamaistischen Buddhismus in der Mongolei. Zu diesem Kloster gehört der Megjid Janraisig Tempel mit einer 26 m hohen Statue des Megjid Janraisig. Nach einem Zwischenstopp am Square ging es zum National Museum of Mongolia und anschließend zum Mittagessen mit Milchtee. Der Besuch des Sukhtbaatar Square fand im Regen statt. Von dort ging es zum Zanabazar Fine Art Museum auch zu Fuß im Regen. Der Guide hat sehr ausführlich über die Themen Lamaismus, Buddhismus und Schamanismus gesprochen. Ich hatte den Eindruck, dass sich uns diese Religionen in unserer Gesellschaft nur sehr oberflächlich erschliessen. Der Besuch dieser Museen war beeindruckend, zumal wir einen Guide dabeihatten, der uns diese weitgefächerten Themen zumindest ansatzweise vermitteln konnte.

Naadam Festival

In der Zeit vom 11. - 13. Juli findet jedes Jahr das Naadam Fest in der Hauptstadt Ulan Bator statt. Das Fest hat seinen Ursprung in mittelalterlichen Klan-Treffen der Khan's und wurde im Jahre 1921 am 11. Juli als Fest der Unabhängigkeit des ersten mongolischen Staates unter Dschingis Khaan etabliert. Es hat einen hohen Stellenwert im Land. Als unser Guide uns am Morgen des Festes abholte, hatte er sich eine Roben artige Jacke angezogen, die er dann während der weiteren Tour trug. Der Reiseveranstalter hatte für uns für die Eröffnungsfeier 8 Karten in der Haupttribüne gebucht, wo wir vor dem Regen geschützt saßen und einen guten Blick auf das Geschehen hatten. Diese Feier kam uns wie die Eröffnung einer Olympiade vor. Es herrschte ein unbeschreibliches Gefühl der Verbundenheit mit allen Menschen im Stadion, mit der Musik und dazu die Präsentation der farbenprächtigen Kostüme.

Zum Mittagessen ging der Guide mit uns in ein nahegelegenes, brandneues Ibis-Hotel. Dort gab es ein ausgezeichnetes Buffet. Der Zu- und Abgang mit dem Auto war jedes Mal eine Herausforderung. Man merkte die gesamte Stadt war auf den Beinen für dieses Fest. Als wir nach dem Essen wieder durch einen der Zugänge ins Stadion gehen wollten, passierte es plötzlich. Jusuf, der Guide, hat uns mehrfach vor Taschendieben gewarnt, die bei solchen Großveranstaltungen immer auftauchen. Tim stand auf einmal völlig entgeistert da und jemand sagte ihm, daß sein Smartphone weg war. Er hatte es wohl nicht einmal gemerkt. Der Taschendieb war aber von Zivil-Polizisten bereits beobachtet worden, wie er Tim das Telefon stahl. Die haben den Dieb sofort gesichert und weggebracht und Jusuf hat uns alle über einen anderen Weg zu dem Polizeiposten geführt, wo der Dieb bereits gefesselt stand. Es hat dann eine ganze Weile gedauert, bis die Formalitäten geklärt wurden und Tim sein Telefon zurückbekam. Es war eine merkwürdige Situation, wie wir da gemeinsam mit dem Dieb standen. Aber wir waren angenehm überrascht, mit welcher Präzision die Polizisten gearbeitet haben. Und es war wirklich ein extremes Gewühl an Menschen unterwegs. Jusuf war natürlich erschrocken, dass das bei seiner Gruppe passiert war, aber er hat die Situation souverän beherrscht. Danach gingen wir wieder zurück auf unsere Plätze und haben den Fortgang der Festspiele beobachtet. Jetzt waren die Ringer dran und dann ging es zu den Bogenschützen weiter. Eine weitere Disziplin ist das Schagai, das Schafsknöchel-Spiel.   

Nomadische Pferderennen

Am nächsten Tag ging es mit dem Auto etwas außerhalb westlich von Ulan Bator in die Steppe, wo die Pferderennen stattfinden. Das Rennen wird von Kindern auf 2- bis 6-jährigen Hengsten über eine Entfernung von 30 km ausgetragen. Jusuf ist mit uns zu einem Gebiet zu dem Bereich des Zieleinlaufes gefahren. Dort hat sich im Freien eine Art Happening gebildet. Die Leute kommen mit Bussen oder eigenen Autos und verbringen den Tag dort im Gebiet. Von dem Milchtee am ersten Tag hatte ich 2 Tassen getrunken und die haben wohl meine Verdauung beeinflusst. Also brauchte ich hier wieder eine Toilette. Der Veranstalter hatte mehrere Container mit jeweils 5 Toiletten aufgestellt. Es handelte sich aber um die Typen, bei denen man sich breitbeinig aufstellt um sein Geschäft zu machen. Dieses Mal hatte ich keine Wahl. Man nimmt vorher etwas Toilettenpapier mit in die Kabine. Trennung nach Männlein und Weiblein gibt es auch nicht. Wozu auch. Ich habe es irgendwie hinbekommen. Es wird gesagt. dass diese Haltung vorteilhafter ist als die sitzende wie wir sie kennen. Aber wir sind mit dem Thron groß geworden. Glück fühlt sich für mich in diesem Punkt anders an. 

Als wir hier draußen in der grünen Weite des Landes standen, war die Stadt auf einmal ganz weit weg. Schon auf der Erföffnungsfeier hatten wir gesehen, dass die Pferde im Leben der Mongolen eine große Rolle spielen. Hier draußen bekommt aber die Kultur der Nomaden eine ganz andere Bedeutung und die Pferde sind lebenswichtig. Jusuf erwähnte irgendwann einmal, dass er Halbnomade wäre und hier merkte man es ihm an. Die kleine, festlich gekleidete Gruppe auf den Pferden ritten langsam durch das Areal und Jusuf meinte, dass dem Mann mit der Kappe einige Pferde gehörten, die am Rennen teilnahmen. Es dauerte noch etwas, aber nach einiger Zeit sahen wir eine kleine Staubwolke in der Entfernung, die sich näherte. Dann jagte der erste Reiter mit seinem Pferd, verfolgt von einem Kamerateam in etwa 100 m Entfernung an uns vorbei. Inzwischen war es ein richtig kleines Volksfest geworden, mit all den Leuten um uns herum, die den Zieleinlauf der jungen Kinder-Reiter verfolgten. Mich erinnerte das Ganze etwas an die Kamel-Rennen, die in Dubai stattfinden. Dort sitzen auch kleine Jungen auf den Kamelen. In beiden Fällen geht es um Gewichtsreduzierung, damit die Pferde oder Kamele mit geschont werden und schneller laufen können. Nachdem die erste Gruppe eingelaufen war, hat Jusuf uns eingesammelt und wir sind mit unserem Minibus in ein GER-Camp gefahren. Dies war westlich gelegen von Ulan Bator.

Leben in der Jurte

  

Da waren wir jetzt in unserem ersten GER-Camp im Hustai National Park. Das Camp ist in die Natur eingebettet, die hier Vorrang hat vor dem Tourismus. Wir wurden auf die einzelnen Jurten verteilt und jedes Paar hat seine Jurte bezogen. Dort ist alles drin, was man braucht für die sommerliche Nacht. Betten, ein kleiner Tisch, Hocker, eine Steckdose und eine Notleuchte. Für die Toilette muss man raus und durch das Camp ins Sanitärhaus. Wenn man wieder aus der Jurte herauskam, hat man die Natur "gehört". Es war eine ganz besondere Atmosphäre, die Natur hat uns in ihr Reich gelassen. Der Sternenhimmel später um Mitternacht war unglaublich. So einen Himmel habe ich bisher nur in Südafrika gesehen. Nach dem Essen im Camp-Restaurant ging es wieder in den Minibus und hinein in den Nationalpark. Die Natur wurde immer grösser und wir fühlten uns immer kleiner. Jusuf war auf der Suche nach den Wildpferden, die sich hier völlig frei bewegen, aber scheu sind. Eine besondere Rasse sind die Przewalski Pferde, die vor 50 Jahren fast ausgerottet waren und hier wieder ausgewildert wurden. Mit etwas Glück konnten wir schließlich eine kleine Herde dieser Tiere sehen. Es war schwierig mit dem bloßen Auge aber das Teleobjektiv der Kamera half dabei. Alles in allem ein sehr schöner und beeindruckender Ausflug in diese weite Natur. Nach dem Abendessen haben wir uns alle in Larrys Jurte getroffen. Jusuf hatte vorgeschlagen heute Abend einen mongolischen Wodka zu probieren. Dazu gab es Kekse und ein Kartenspiel. Nun mit 9 Leuten haben 2,5 Flaschen Wodka dran glauben müssen. Und die Sterne haben noch heller gestrahlt. 

Noch ein Wort zu den Jurten: das Hinein- und Herausgehen sollte man üben und möglichst eine Mütze aufsetzen. Die Türen sind sehr niedrig. Die Männer waren alle recht groß und alle haben sie Beulen davongetragen. Mir ist hin und wieder das Blut gelaufen.

Am nächsten Morgen checkten wir wieder aus und stiegen in unseren Minibus. Ziel war das nächste Camp im Gorkhi-Terelj Nationalpark. Dieser Park liegt auf der anderen Seite von Ulan Bator in östlicher Richtung. Wir haben die Stadt südlich passiert und kurz in einem großen Einkaufszentrum Halt gemacht. Es war Freitag und es wollten offensichtlich noch mehr Leute für das Wochenende in den Park fahren. Auf jeden Fall ging die Fahrt langsam voran. 

Dieses Camp war von ganz anderer Ausprägung. Die umgebende Natur war durch die Berge gewaltiger und in den meisten Tälern hatten sich Camps mit Jurten angesiedelt. Hier gab es eine umfangreiche Infrastruktur mit einem zentralen großen Sanitärhaus. Jede Jurte hatte einen eigenen Eisen-Ofen, der abends auf Wunsch von den Mitarbeitern angeheizt wurde. Am oberen Rand des Tals waren Mobilfunkmasten aufgestellt und wir konnten für unseren allabendlichen YouTube-Post und mit unserer SIM-Karte mühelos mit 4G senden. Vor dem Komplex war ein großer Parkplatz angelegt, auf dem sich etwa 40 Wohnmobile mit italienischen und französischen Kennzeichen befanden. Die Mobile hatten eine Art Gruppen-Codierung, gehörten also zu einer organisierten Fahrt. Wir haben später erfahren, dass sie sich auf einer langen kontinentalen Fahrt von Paris nach Peking und zurück durch die Stan-Länder bis nach Istanbul befanden. Für jedes Land hatte man eine Art Ranger mit einem Off-Road-Fahrzeug gemietet, das sich um die Organisation im Land kümmerte. 

Für den Nachmittag stand ein Besuch bei einer Nomadenfamilie in deren Jurte an. Dazu sind wir mit dem Bus einmal über die Straße auf die andere Seite des Tals gefahren. Jusuf hatte diesen Besuch für unsere Gruppe organisiert. Es war schon bizarr, wie 8 Besucher aus USA, Korea und Deutschland mit einer Nomadenfamilie zusammen saß und Wodka trank. Es wurde auch Stutenmilch gereicht, aber ich glaube die mochte keiner von uns. Soll eine Spezialität der Nomaden sein. Die Milch wird übrigens in dem Ledersack gelagert, der an dem Holzgestell hängt.

Nicht weit von unserer Lodge entdeckten wir große Reisebusse, die aus Irkutsk kamen. Mit diesen Bussen waren Trachten- und Folklore-Gruppen gekommen, die an diesem Abend eine Aufführung hatten. es handelte sich hier um eine Art kleines oder Mini-Naadam-Fest, dem wir nachher auch beigewohnt haben. Eine ganz tolle Show mit ausgezeichneten Gesangs- und Tanzeinlagen. Auch dieser Abend klang wieder mit Wodka aus. Jusuf war richtig happy mit uns und wir haben noch ausgiebig über Land, Leute, Kultur und die Entwicklung der Population diskutiert. Am nächsten Morgen mussten wir Jusuf aber wecken.  

Turtle Rock und Aufstieg zum Kloster

Am nächsten Morgen wurde wieder ausgecheckt und weiter ging es im Bus zu den nächsten Highlights. Man fährt durch beeindruckende Felsformationen und bekommt dazu die Geschichte von Jusuf. Das Wetter war weiterhin freundlich mit uns. Dann tauchte der Turtle Rock auf, eine Formation die tatsächlich an eine Schildkröte erinnert. Dort haben wir eine halbe Stunde Halt gemacht und ich habe mir eine Camouflage-Kappe mit dem mongolischen Emblem gekauft. Auf die war sogar Jusuf neidisch. 

 

Nach dieser Rast kam die Morgen-Gymnastik an die Reihe. Es galt jetzt zum Ariyabal Meditation-Tempel heraufzusteigen. Dazu musste man zuerst einen Serpentinenweg mit einer Hängebrücke besteigen und danach 108 Stufen zum Tempel aufsteigen. Die Gruppe hat sich aufgeteilt, einige sind unten geblieben, ich bin mit dem Rest aufgestiegen. Ich fand den Aufstieg nicht sonderlich schwer. Man geht durch einen Wege an dessen Rand nummerierte Tafeln mit Weisheiten aus dem Buddhismus standen. Auf halber Strecke kam man zu einer Walze, die man leicht andreht. Der Zeiger blieb dann auf einer Nummer stehen, die man sich merken sollte. 

 

Oben vom Kloster aus hat man natürlich einen schönen Blick auf das Tal, es fühlt sich fast wie in Bayern an. Und es sind viele Nationalitäten unterwegs. Das Kloster ist innen und außen sehr schön anzusehen, es sind fast ringsum Gebetstrommeln aufgestellt. Dann geht der Abstieg wieder los. Dann ruft man sich wieder die Nummer in Erinnerung und sucht "seine" Tafel am Wegesrand. Es war aber nicht die vom obigen Bild. Mir sind die Botschaften aber vielfach zu negativ. Insgesamt war ich über einige Elemente des Buddhismus überrascht. Zum Mittagessen geht es zurück in das GER Camp, wo wir übernachtet haben.  Und danach grobe Richtung zurück nach Ulan Bator. Auf dem Weg sollten wir aber noch eine der bekanntesten Statuen besichtigen.

Begegnung mit Dschingis Khan

Wir haben am Beginn des Berichtes schon erwähnt, wie er zustande kam. Und die Statue ist wirklich beeindruckend. Man betritt die 'Eingangshalle der unterhalb der Statue und steht einem überdimensionalen Nomadenschuh gegenüber. In ganz früher Zeit waren die Spitzen der Schuhe noch weiter nach oben gebogen. Das hat sich aber nicht bewährt, wenn die Nomaden auf die Pferde stiegen und die Schuhe in die Steigbügel schieben wollten. Danach hat sich diese spitze Form durchgesetzt. Mit einem Fahrstuhl fährt man in den Leib des Pferdes und geht dann über eine Treppe die Mähne herauf um auf der Plattform über dem Kopf zu stehen. wenn man sich dann umdreht, blickt man Dschingis Khan direkt in die Augen. Wir haben häufig das 'Wort Chingis Khan gesehen. Die Mongolen sprechen es dann mit Gingiskhan aus. Es gibt von ihm eigentlich keine Bilder oder Fotos, das war nicht gewünscht. Nach der Auslegung lässt er sich nicht abbilden. Insofern stellen alle Gemälde-Zeichnungen über ihn lediglich Deutungen dar, wie man ihn sich vorstellt. 

Am Ende dieses Tages folgte ein Besuch in einem kleinen Theater mit einer mongolischen Tanz/Musik-Aufführung des Tumen EKH-Ensembles. Da man hier mit Fotografieren immer sehr strikt ist, haben wir extra einen Fotoausweis für Sabine gekauft, damit sie Bilder von dieser wunderschönen Aufführung machen konnte. Nach dieser Aufführung ging es zu einem mongolischen Barbecue. Man sammelt alle Zutaten wie Fleisch und Gemüse in Schälchen ein und anschließend wird das auf einer etwa 2 m großen runden Kochplatte mit viel Show-Einlagen zubereitet. Anschließend brachte er uns mit dem Bus zurück ins Hotel. Vor der Abfahrt in die GER Camps hatten wir die großen Koffer in unserem Hotel gelassen und nur kleines Gepäck mitgenommen. Nun war es an der Zeit sich zu verabschieden. Unsere amerikanisch/koreanischen Freunde mussten nächsten Morgen sehr früh los, um die Flüge nach Seoul zu bekommen. Wir glauben aber, das die Freude über die gemeinsame Zeit auf beiden Seiten genauso groß war. Wir haben unser Gepäck aufs Zimmer gebracht und uns dann noch mit einem Teil der Gruppe in der Bar getroffen, um einen Abschiedsdrink zu nehmen.

Zurück in der Stadt

Am nächsten Tag haben wir wieder unsere Koffer gepackt und sind für die beiden letzten Nächte zurück Richtung Stadtmitte in das Hotel Holiday Inn umgezogen. Von hier konnten wir die Umgebung besser erkunden. Wir sind in einen nahe gelegenen Markt gegangen, der eigentlich aus etwa 10 Märkten verschiedener Art bestand. Für mich gab es da natürlich nichts, da zum Beispiel die Schuhgrößen schon bei 42 aufhörten. So sind wir dann weiter gezogen in Richtung Shangri La-Mall. Shangri La ist eine asiatische 5-Sterne-Hotelgruppe, die hier in Ulan Bator neben ihrem Hotel auch ein Einkaufszentrum gleichen Namens betreibt, das direkt mit dem Hotel verbunden ist. Die Anlage ist recht neu und beeindruckend. Dort fand ich durch Zufall einen Shop von Unitel, der mongolischen Telefongesellschaft. Hier bot man SIM-Datenkarten für bis zu 50 GB aufwärts an. Vom Reiseveranstalter hatten wir eine Telefonkarte mit Datenvolumen bekommen. Wir hatten aber leider vorher nicht geklärt, dass wir sie für unseren mobilen Hotspot verwenden wollten. Ich habe es im Nachhinein bedauert, weil sie im Hotspot nicht funktionierte. Die Mall war etwa 500 m entfernt von unserem ersten Hotel Best Western, wo wir die Reise begonnen hatten. Mit den Karten von Unitel hätten wir mit unserem Hotspot noch die ganze Gruppe mit Internet versorgen können. Also SIM-Karten lieber selber vor Ort im Shop der Telefongesellschaft kaufen. Wir haben die SIM-Karte vom Veranstalter in Sabines iPhone gesteckt, damit wir wenigstens von dort auf YouTube posten konnte. Die 4G-Verbindung in Ulan Bator war ausgezeichnet.    

Hier wird viel gebaut, manches alte Gebäude muss weichen, trotzdem haben die Religionen ihren Platz. Wir sahen ein Buddhismus-Zentrum mit einem Anbieter für vegane Ernährung Wand an Wand mit der Christus-Kirche. Dann wieder hippe Lokale American-Style und Anbieter für Alpin-Privat-Flights und Villen-Projekte. Alles da.   

Nun waren wir hungrig und sind daher direkt von der Mall ins Hotel Shangri-La zum Lunch gegangen. Dort war die Brasserie geöffnet und ein riesiges Mittags-Buffet im Gange. Wir haben uns einen Tisch geben lassen, Getränke bestellt und dann das Buffet gestürmt. Es waren geschätzt 150 Leute beim Essen, ohne das es überfüllt wirkte. Zum Schluss fragten wir nach der Rechnung und waren gespannt was uns erwartete..! Wir trauten unseren Augen kaum:...20 EUR komplett für uns beide zusammen. Es war wohl so eine Art Summer-Special. Im Foodcourt in der Mall draussen hätten wir mit Sicherheit mehr bezahlt. Als wir das Hotel verliessen, entdeckten wir in der Nachbarschaft noch sehr pfiffige Bier-, Café- und Weinbars vom Feinsten.

Zurück zur Kultur. In der Nähe des Hotels auf dem Wege zum Mainsquare entdeckten wir noch ein weiteres Kloster (Tschoid-schin Lama-Tempel-Museum), das zwischen den Büro-Türmen stand. Wie man durch die Anlage von einem Gebäude zum anderen wanderte, empfanden wir die Ruhe zwischen all den Bürogebäuden als inspirierend. Moderne und Altertum haben sich hier arrangiert.  

Eindrücke und Schlussworte

Dieser Bericht ist länger geworden. Diese Reise war anders als sonst. Wir waren nicht allein. Wir waren 5 Tage lang sehr eng in der Gruppe. Wir haben 5 Tage Kultur absorbiert (Jusuf hat uns immer wieder getestet: If you recall...?). Es hat unser Weltbild modifiziert. Wir haben gelernt. Wir haben Dschingis Khan getroffen. Und die Jurten - ob mit oder ohne Ofen, wir (mein Kopf und ich) werden sie nicht vergessen.

Alles das wussten wir vorher nicht. Wen treffen wir? Wie wird die Gruppe sein? Wie schmeckt Stutenmilch? Wie schläft man in einer Jurte?

Und nun die abschliessende Frage nach dem ? Diesmal geht er an die Gruppe und Jusuf. Ohne SOCIAL wäre alles nichts gewesen.

Wir haben 4 Mini-Movies produziert: Leben, Kultur, Natur und Naadam. Genießt sie!

 

 

 

 

 

 

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